Mittwoch, 20. Mai 2009

Liebe, Leben und Tod

Hello.

Ich mache kein "Auftragsbloggen" mehr, d.h. mir erzählte Geschichten anderer vielfach gespiegelt in Ich- Form u.a. wiedergeben, deswegen passiert hier nicht mehr viel, aber dieser post ist eine Antwort auf die Frage zweier Menschen, deren hitzige Diskussion ich heute mitverfolgt habe. Es ging um Liebe, Leben und Tod und vieles mehr. Da ich ungern als Mediator fungiere, habe ich mich nicht eingemischt, weil es auch klar war, dass sich die beiden emotional und mental gegenseitig an ihre Grenzen getrieben haben. Nur eins haben sie nicht getan: eine Ebene gesucht, auf der sie sich leben und lieben lassen konnten (für die nicht Angesprochenen: das habe ich den beiden gegenüber kommuniziert und den post angekündigt). Und mich dann mit denselben Fragen bombardiert. Aber auf so einer aggressiven Ebene kann ich genau diese Themen nicht mehr diskutieren. Auf jeden Fall habe ich diese aggressive Stimmung mit nach Hause genommen und jetzt katalysiert.

Erstens:
Ich finde es anmaßend, dass man verbissen versucht, andere dazu zu bringen, sich mit dem Sinn des Lebens und den Tod auseinander zu setzen. Jeder hat seinen eigenes Tempo und wenn ein Freund eben noch keine Auseinandersetzung darüber wünscht, sollte es respektiert werden. Nicht jeder hat in einem Lebensabschnitt die spirituelle Weiterentwicklung fokussiert. Wenn jemand eben erst mal Karriere machen will, ist es doch o.k. Muss eine Freundschaft daran zerbrechen?

Zweitens:
Liebe ist...Jungs, das ist doch auch für jeden unterschiedlich. Für mich ist Liebe überall und wenn es um einem Partner geht: Es ist der Augenblick, indem die Sekunde ewig wird. Die Vergangenheit wird irrelevant, das Jetzt- und- Hier ist mit Zukunft verschmolzen, die Zeit existiert nicht mehr oder anders zum Nachvollziehen: sie steht still. Mit dem Wissen, dass es in 2 oder 20 Jahren anders sein kann, ohne dabei Verlustangst zu fühlen, geht eine Welt auf, in der man sich eben ein gesamtes Leben mit dieser Person vorstellen kann - Zukunft im Jetzt und Hier-. Das ist für mich der Unterschied zum Verknallt- oder Verliebtsein. Man ist bei sich, beim anderen und in dieser "Welt", die sich eröffnet, ohne Identitätsverlust, ohne Angst, ohne Spiegelung. Klar, es kommt der Alltag und vielleicht die Trennung. Aber versucht mal, dieses Gefühl abzurufen. Ist es wirklich Vergangenheit oder so lebendig? Liegt die Vision nicht nahe, dass es immer jemanden geben wird, mit der man das erleben kann? Man zieht immer die Person an, die einem seelisch gerade entspricht. Für die Singles: Nicht verzagen, wenn die Psyche pendelt, um sich auf einer bestimmten Existenzebene zu fixieren, bevor es wieder irgendwann losgeht, kann es sein, dass man eben niemanden findet. Und wenn, dann sind diese Beziehungen von Abhängigkeiten geprägt. Ich glaube, es wäre während Eurer erhitzten Diskussion nicht angekommen, mein Verständnis und Erleben. Da fehlte definitiv die Liebe... zum Leben.

Drittens:
Tod. Wie hier schon mal gebloggt: Was ist sicherer im Leben als der Tod? Der Zeitpunkt ist vielleicht nicht berechenbar, aber dass er eintritt, auf jeden Fall. Falls jemand diesen Zeitpunkt (bewusst, unbewusst, spirituell, aus Kontrollzwang heraus, was auch immer) berechnen möchte, wählt die Sicherheit im Freitod. Als Ärztin muss ich reagieren, als Mensch kann ich nicht werten. Ich sehe darin keine Identitätsspaltung. Das eine ist die Erwartung der Gesellschaft an Mediziner, der ich nachkomme, weil ich eben diesen Beruf ausübe, das andere meine hochpersönliche Einstellung. Ich habe als Therapeut kein Recht darauf, die Gesellschaft bezüglich ihrer Erwartungshaltung zu werten und die Gesellschaft sollte fähig sein, zu akzeptieren, dass ich ihrem Anspruch zwar nachkomme, aber sie mich nicht persönlich ändern können. "Du tust etwas, woran Du nicht glaubst?" Nein. Ich tue etwas, woran ich glaube. Ich tue etwas, weil mich z.B. die Arbeit fasziniert und übernehme die Verantwortung, die diese Tätigkeit mit sich bringt (also jetzt nicht mehr in der Notfallmedizin, das war mal, momentan mache ich dinge, die meine Ideale spiegeln, trotzdem Präsens, klingt besser). Ich wäre ein Lügner, wenn ich behaupten würde, ein diesbezüglich Idealist zu sein. Insofern ist mein Ideal überpersönlich und das o.g. gilt auch nur für diese krassen Fälle.
Für mich selbst erübrigt sich diese Frage nach Freitod, weil ich keinen Sinn darin sehe, etwas zu kontrollieren, was sowieso vorprogrammiert ist. Es ist meiner Meinung nach eine Illusion, dass man durch eine außerordentlich gesunde Lebensführung den Tod hinauszögern kann. Dafür habe ich zuviele solcher jungen Leute sterben sehen. Es kann aber einem ein unglaublich gutes Lebensgefühl geben, fit zu sein (mir z.B.).

So nebenbei: 42? das ist der zweimonatige Verhütungszyklus einer Frau. Was ist denn das für eine Frage? "Was ist 42?". Das ist doch eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens (Adams, ist ein Buch mit Seiten).