Sonntag, 10. August 2008

popelig

Manchmal, wenn ich versuche, mich in jemanden hinein zu versetzen, den ich primär nicht verstehe, versuche ich bei dem Bild des Anderen von mir anzufangen, um überhaupt eine Kommunikationsebene definieren zu können. Das gestaltet sich ab und zu als schwer, denn das Bild des Gegenübers über mich ist manchmal nicht greifbar. Es kann sein, dass ich mir bei bestimmten Personen so vorkomme, als sei ich für sie so was wie ein frei flottierender Popel in ihrer Nase, den sie immer wieder hochziehen. So als holografisches Bild. Ich kenne aber die gefühlte Endbestimmung eines einzelnen Popels nicht. Das macht es mir noch schwerer, mich mit dem Popel zu identifizieren, obwohl das Bild immer noch da ist. Es fällt mir schwer, mich popelig zu fühlen, um darüber einen Bezug zum Anderen zu finden. Das ist aber der Ansatzpunkt... denke ich. Um herauszufinden, ob das wahr sein kann, frage ich auch nach dem Bild des Anderen über sich. Ich weiss wirklich nicht, was bei einigen Leuten schwieriger ist.
Was macht man mit so einem Popel?

1) man schneuzt ihn ordentlich in ein Taschentuch aus und entsorgt dieses. Da immer wieder Popel produziert werden, muss man das wiederholen, obwohl ein Popel niemals dem anderen gleicht. Ähnlich Schneeflöckchen oder Menschen

2) man fotografiert ihn, bevor man ihn despektierlich unter der Stuhlkante abwischt und kann sich an dem Bild des Popels aufreiben, wenn man mal nostalgisch wird

3) man bewirft andere damit und hofft, das Popelproblem verlagert zu haben

4) man kommuniziert offen mit dem Popel. Nicht ratsam, wenn andere danebenstehen, die die Sichtweise des vom Popel befallenen mittlerweile übernommen haben. Oder der Andere macht denen vorher klar, dass dies eigentlich doch gar kein Popel ist

5) man denkt, man wird ihn sonst nicht los und zieht in so heftig hoch, dass er die Schädelbasis durchbricht und im Gehirn landet, wo er zum nicht integrierten Fremdkörper mutiert. Wenn das Gehirn keine Abstoßungsreaktion oder Kompensation produzieren kann, kann der Popel zu einer Stimme im Kopf werden und den Anderen wirklich sehr quälen

6) man versteht, dass ein Popel nicht aus sich selber entsteht, sondern dass die Umwelt und die Nase mit ihrer Schleimhaut ihm den Nährboden zum Enstehen bietet. Wenn das einem nicht passt, wird es wirklich kritisch. Entweder lässt man sich die Schleimhaut abkratzen oder schliesst sich in einen umweltfreien Raum ein.

7) man wertschätzt den Popel, ohne erst mal seine Endbestimmung zu kapieren und dass er nicht immer dafür da ist, um einen nur zu befriedigen, indem man ihn immer wieder hoch-und runterschneuzt und lässt die Nähe und die Liebe zum Popel zu. Vielleicht bleibt der Popel kein Popel mehr und macht dadurch eine eigene Metamorphose durch. Damit würde sich der Popel ändern und zugleich die Sichtweise des Anderen auf diesen. ergo: Es gibt keinen Popel.
(s.u.a. ->Simulakrum)

8) der Popel wird aktiv. Er fühlt sich in der Nase so wohl, dass er sich dort festhält. Oder er fühlt sich so fehl am Platz, dass er sich selbst rauskatapultiert und das auch noch in einem ungeeigneten Moment. Einfach deswegen, weil er auch mal einen spektakulären Abgang kreieren will. Beides liegt jedoch nicht im "normalen und natürlichen" Verhaltenskodex eines Popels, es sei denn, der Popel suhlt sich masochistisch in schweren Minderwertigkeitskomplexen.

9) ich weiss ja nicht, wer bei mir hier alles so rumgurkt. Drei Personen benutzen einen Anonymisierungsdienst beim Surfen und hinterlassen keinen Kommentar. Wäre schön zu erfahren, was es noch für Lösungen geben kann, ohne zwangsläufig mit jedem ein Bier trinken zu gehen, weil ich auch andere Dinge außer Popel im Kopf habe.

Denke ich..also nicht nur Popel im Kopf.

Noch schlimmer ist es, wenn der Andere einen eigentlich für einen Schmetterling hält.
Oder so richtig fatal: für einen Schmetterling, der sich als Popel verkleidet hat oder umgekehrt. Könnte sein, dass der Andere dabei die Orientierung verliert und nicht mehr weiss, auf welchem seiner doppelten Böden er sich gerade aufhält. Das ist noch komplexer.

Also für mich...komplexer.

Ich liebe Sushi