Montag, 21. Juli 2008

Migräne

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mit Übelkeit hatte ich seit Ewigkeiten nicht mehr. Heute Morgen kam ich nicht aus dem Bett heraus, so schlimm war es. Hausmittelchen helfen ja besser als Tabletten. So mussten wieder Tiger Balm & Co herhalten. Ich fühle mich so richtig schlecht, denn bei der Arbeit sind wir gerade so was von unterbesetzt, aber hilft ja alles nichts. Wenn man nur das sieht, was man sehen will und sich aus allem sonst heraushält, kommt das schon mal vor, dass sich der Kopf wehrt. Dafür ist es jetzt vorbei und der Vorteil ist, dass der Hund heute weiterhin bei mir ist und nicht bei der Hundesitterin ( die allerdings eine ganz tolle ist ). Der Hund verändert sich weiterhin stetig. Da ist richtig Dynamik in seiner Entwicklung. Obwohl es mein vierter Hund ist, muss ich zugeben, dass er der Schwierigste war. Eingesperrt im Küchenwandschrank in Ostdeutschland von Frau M, die endlich letztes Jahr von der Polizei hochgenommen wurde. Die haben noch mehr Huskies ( weibliche ) gefunden, die sich Löcher im Garten gebuddelt hatten, um sich von den aggressiven Rüden zu schützen. Im Wandschrank....man sitzt in seinen eigenen Fäkalien und hört die Stimmen. Die Geschwister spielen, da er -"Welpe Nr. 3"- angeblich der einzige mit Flöhen und Würmern sei. Ich hatte gar nicht vor, einen Hund mit nach Hause zu nehmen. Vor allem hatte ich das nicht mal mit meinem ID-Media-Mitbewohner in Berlin besprochen. Er wusste nur, dass irgendwann ein Hund bei uns auftauchen würde. So habe ich mir, seit ich die Katzen bei meiner Ma abgegeben hatte , also 2004, immer wieder Würfe angesehen. Anvisiert waren immer Husky- Weibchen oder Labrador- Mädel. Auf jeden Fall stehe ich in diesem unmöglich stinkenden Haus von Frau M und bin hingerissen von Welpe Nr.5, der blauäugigen schwarz-weissen Schwester von Welpe Nr. 3. Frau M fehlen die Zähne vorne. Sie sei ♥s4- Empfängerin, würde sich nur über die Hunde finanzieren können...blablabla. Das Mädel ist mir zu schüchtern, aber trotzdem reizend, also treffe ich eine schnelle Entscheidung und möchte sie mitnehmen. In diesem Moment ist dieses Jaulen da. Ich frage die Frau, woher das kommt, denn es ist zu nah. "Das ist Welpe Nr. 3", sagt sie und macht die Tür des Wandschrankes auf. Da ist er. Welpe Nr. 3, ist es ein schwarzer Hund? Auf jeden Fall liegt er in seinen eigenen Auswürfen und ein paar Pansenstückchen mittendrin. Dann kommt die Geschichte von Flöhen und Würmern und dass sie es sich nicht leisten könne, die Tiere veterinär versorgen zu lassen. "Was werden sie dann mit ihm machen", frage ich sie...mein Kopf nimmt die Situation nicht so ganz auf, so bizarr ist die Situation. "Mir fällt eine Lösung schon ein", sagte sie zahnlos lächelnd. Ich werde selten so wütend und verzweifelt. Ich bin wütend und mir laufen gleichzeitig die Tränen, so wirkt man nicht gerade gefährlich. Ich drohe ihr mit der Polizei...sie lacht. Bis die aus Parchim ankommen, sei das alles sauber usw.. Mir bleibt nichts anderes übrig, kann nicht klar denken...Ich packe "Welpe Nr.3" am klebrig-nassen Nacken und versuche diesem Haus zu entkommen. Irgendwie scheint nun die Unmenschin panisch, folgt mir und labert irgendwas. Am Auto knuddele ich Welpe Nr. 3 in meine Picknickdecke und platziere ihn hintern dem Beihafrersitz. Frau M hat schon aufgegeben.

Wir fahren los. Ich habe mich verfahren und bin fast in Hamburg gelandet, obwohl ich damals noch in Berlin wohnte. Also nochmal 2 Stunden fahrt. Die Idee, Welpe Nr. 3 zuerst zu waschen, dann zum Tierarzt und ins Tierheim zu bringen, kommt mir plausibel vor. Da jault er von hinten. Nicht anschauen sage ich mir. Es stinkt von hinten bestialisch. Geht nicht, ich blicke runter nach hinten und Welpe Nr. 3 und ich schauen uns für Sekunden in die Augen. Liebe. Ich befürchte, dass es nichts wird mit dem Abgeben. "The Way" ertönt gerade aus dem Autoradio.

Zuhause braucht er drei Waschgänge, damit man überhaupt sieht, dass er ein schwarz- weisser Hund ist. Und süss ist er. Mein Mitbewohner kommt nach Hause ( er ist ein Katzenmensch, schlecht gelebter Wassermann-Kopfmensch mit Kontrollzwang- :) für die Esoteriker unter Euch), sieht ihn und lacht sich schlapp. "Behalte ihn doch", sagt er. Bin überrascht, dass er es so hinnimmt. Wir sitzen in der Küche und überlegen uns einen Namen. "Bela", sagt er...Tomasz...der ungarische Einfluss auf den Siberian ist unübersehbar...passt aber alles nicht. Am dritten Tag sehe ich ihn an und dann kommt es, "Laszlo". Dieser Hund kann nicht anders heissen. Mein Mitbewohner ist ebenfalls einverstanden. Die beiden mögen sich auch. Er kommt auch damit klar als peinlich sauberer Mensch, dass Laszlo -auch für Welpen unüblich- überall trotz Gassi alle 2 Stunden hinmacht und sich reinsetzt. Wir haben jeden Tag ständig geputzt und den Hund gewaschen.

Laszlo ist ganz verstört. Wenn es draussen laut wird, fängt er zu fiepen und jaulen an. Er darf nicht in mein Zimmer wegen der Flöhe. Ich habe es nicht so mit Parasiten. Sein Reich ist der Flur. Ich werfe meine Matratze nah an die Zimmertür, lasse die Tür offen. Laszlo möchte die Türschwelle überschreiten nachts, darf aber nicht. Er versteht. Ich hätte ihn so gern im Arm gehalten. Er liegt im Flur, mit dem Kopf an der Türschwelle und schaut mich an, so schlafen wir jede Nacht ein. Mir tut das alles sehr leid, aber ich komme nicht über die Kriechviecher hinweg, bis Laszlo ganz gesund ist.

Er ist sehr sehr schwierig. Wie ein Autist hat er lange Phasen, in denen er nichts aufnimmt von außen. Dann hat er Panickattacken. Von dem üblichen Hundeerziehungskram bin ich weit weg. Ich möchte, dass er sozialisiert. Egal, was andere mir sagen....es ist mir vollkommen egal. Das weiss ich alles schon. Ich muss dafür keine Bücher lesen. Eins weiss ich. Es gab Momente, in denen ich ihn an die Wand hätte klatschen können. Wenn man so mit seinen eigenen Ohnmachtsgefühlen konfrontiert wird, wie dieser Hund es bei mir getan hat. Ich sage es Euch Leute: Geduld, Liebe, Gelassenheit. Nicht negative Sanktion, nicht ständiges Unterwerfen, nicht mit Hunger erpressen, nicht mit Leckerlie. "Er wird Dich dominieren", sagte man mir. So ein Quatsch. Ist alles nicht eingetroffen. Es wird vielleicht kein Ja- Sager- Hund, aber dafür ein liebevoller. Mir war vor allem wichtig, dass er - wie alle meine Tiere- mit Kindern umgehen kann. Wenn man sich so vorstellt, dass aus ihm irgendwann ein großer, nicht- kastrierter Rüde wird.

Ich musste ihn zwischendurch immer wieder abgeben Ende 2006/ Anfang 2007 aus beruflichen Gründen und habe bemerkt, dass er dadurch nur Rückschritte macht. Also musste ich mein Berufsleben schneller umstellen als geplant. Letzendlich bekam ich auch Hilfe von außen, damit ich den Alltag mit ihm regeln kann; mein eigener Verstand schien in diesem Fall nicht gut zu funktionieren, weil ich ständig emotional mit dem Hund beschäftigt war. Laszlo hat immer noch ab und zu Autisten- und Panikphasen, wenn wir draussen sind. Er liess meine Nähe bis vor kurzem nicht zu, wenn er sich ausgeklinkt hat. Bis Mittwoch. Es ist irgendetwas passiert. Laszlo hat sich aus dieser Phase von mir herausholen lassen. Ich freue mich so.

Vielleicht weiss seine Hundeseele , dass er jederzeit gehen darf zu wem er auch will, aber dass ich ihn niemals einfach so verlassen würde.