Mittwoch, 16. Juli 2008

Kleiner Prinz, was nun?

Ich stelle gerne periodisch meine eigenen Ansichten in Frage. Das führt häufig zu neuen Einsichten. Manchmal bleiben aber auch die alten. Nicht so bei einem meiner Lieblingsbücher aus der Kindheit. "Der Kleine Prinz" von Antoine de Saint- Exupéry. Als man mir vor ca. einem Jahr verkündet hat, ich könne keine Kinder bekommen, habe ich mich vom großen Teil meiner Kinderbücher, die ich für meinen Nachwuchs aufbewahrt hatte, getrennt. Ich habe alte Bücher aus den 60ern und 70ern, die meinen Eltern gehört haben, an die Kinder meiner Freunde und Bekannte verschenkt, da ich mich mit einer lebenslangen Kinderlosigkeit abgefunden hatte. Die, die mich kennen, wissen nun, dass man Ärzten nie 100 Prozent glauben sollte:), auch wenn ich selbst eine bin. Tja die Zwillinge haben leider auch nicht überlebt, aber es hat mich dazu gebracht, das Kinderthema nochmal umfassend zu überdenken/überfühlen.

Der Kleine Prinz, einer meiner Helden, ist es heute leider nicht mehr. Ich habe vorletzte Woche das Buch noch mal gekauft und gelesen. Ich finde die Geschichte immer noch wunderbar. Schon als Kind hatte es meine Vorstellung von Leben und Sterben so geprägt, dass ich gar nicht mehr an einen omnipotenten Gott glauben konnte. Ich habe an die Sterne geglaubt und dass es wirklich Zwinkern von einem anderen Stern ist, wenn man hoch schaut und Gestirne blinzeln. Auch wenn Großvater mir das mit den Lichtjahren, dem Urknall, der Lichtgeschwindigkeit und atmosphärischer Brechung erklärt hat. Die Vorstellung, dass da oben ein anderes Wesen zwinkert, weil er mitbekommt, dass man hochguckt....wen interessiert da noch Physik? Ich habe auch zurückgeblinzelt. So ganz unter uns, ich tue es heute immer noch:).

Der Kleine Prinz sagt aber auch anderes. Vor allem über andere. Er begegnet dem Herrscher und dem Säufer auf deren Planeten und wertet diese. Die einzige Figur, die er gerade mal so wertschätzen kann, ist der Lampenmann, der ja irgendwie eine Aufgabe hat. Lampe anzünden, wenn es dunkel wird, Lampe ausmachen, wenn es hell wird. Ich werde meinen Kindern (falls ich je wieder das Glück haben sollte) dieses Buch nicht einfach so in die Hand drücken. Die Aussage, dass man eine Funktion erfüllt, damit ein Kleiner Prinz einen wertschätzt, könnte sich nämlich suggestiv bei den jungen Seelen festsetzen. Die Frage, dass die Aufgabenstellung des Lampenmannes stupide sein könnte, wird nicht berührt. Das wäre natürlich die Aufgabe der Eltern. Und natürlich auch, dass Wertung zu nichts führt, sondern Verständnis eines jeden in seinem jeweiligen Universum. Man kann sich ja trotzdem von unpassenden Menschen distanzieren. "Man sieht nur mit dem Herzen gut", sagt der Fuchs. Er hat vollkommen recht. Aber stimmt es, dass man nur etwas lieben kann, was einen braucht oder woran man sich allmählich gewöhnt, gegenseitig Verantwortung lernt? Ich kann mich damit nicht anfreunden. Haben wir es beim Fuchs mit einer Nähe- Distanz- Störung zu tun, vermutlich auch beim Kleinen Prinzen, der nur so wieder zu seiner Rose zurückfindet?

Wie schade, ich muss den Kleinen Prinzen von meinem persönlichen absoluten Sockel herunter holen. Ich finde das Buch immer noch wunderbar, aber ich kann der Gesamtaussage nicht mehr meine grenzenlose Bewunderung entgegenbringen, weil es eben auch ein Buch für Kinder ist.

Schluchz.