Bringt man sich selbst in Krisen, um zu verharren, zu zappeln, um sich herum rumzupoebeln:) und am Ende still zu stehen, um das "Ergebnis" zu verstehen? Inwiefern haben andere Menschen wirklich etwas damit zu tun, dass man in Zustaende geraet, die einem zunaechst auswegslos erscheinen? Falls Krisen wirklich aus einem Willen zur inneren Wandlung resultieren, wie bewusst muss dieser Wille sein? Ich musste die Redewendung "links Abbiegen" heute mal eruieren, da mir das letzte Woche auch mal in Deutsch begegnet ist. Ich kenne den Gebrauch eigentlich nur aus meinen Mutter- und Vatersprachen. Also "links Abbiegen" wird anscheinend dann gesagt, wenn jemand sein eigentlich Ziel erfuehlt/ weiss/ erfasst, jedoch kurz vor der entscheidenden Krise, die zum Verstaendnis und zum Fuehlen seines Innersten notwendig ist, einen Stopp macht und dort wieder anfaengt ( natuerlich etwas eleganter als sonst ), wo er/ sie in frueheren Entwicklungsschritten aufgehoert hat; sei es aus Angst, Bequemlichkeit, sei es aus dem momentanen Unvermoegen, sein Inneres wirklich erfassen zu koennen. Viele halten Krisenbereitschaft fuer eine Abart des Masochismus. Klar. Staendige Krisenbereitschaft ohne echte Einsichten halte ich auch fuer Masochismus:). Bleiben Linksabbieger wirklich vor weiteren unangenehmen Krisen verschont? Kann sein. Kann aber auch sein, dass sie irgendwann mitten in der Nacht aufwachen und es wissen. Was sind denn dann Rechtsabbieger? Weiteres Nachfragen brachte mich dann auf die Spur eines russischen Maerchens, wobei ich nicht genau weiss, von wem und aus welchem Jahrhundert. C.G. Jung hat sich auch mal bedient:
Drei Koenigssoehnen werden drei Wege gezeigt. Falls man links abbiegt, geht es einem gut, aber das Pferd wird verhungern. Falls man rechts abbiegt, ueberlebt das Pferd, der Reiter verhungert jedoch. Der Weg geradeaus jedoch fuehrt geradewegs in den Tod beider. Als einziger waehlt der juengste Prinz den Weg nach vorne und erreicht als einziger den Preis, der natuerlich nicht der physische Tod ist, sondern das integrierte Wissen des Universums ( in ihm selbst ). Da verhungert natuerlich keiner, bei soviel Vertrauen in die eigene Krisenfaehigkeit.
C.G. Jung hat das so interpretiert, dass das Pferd den Trieb, die niedere Natur des Menschen repraesentiert, der Prinz Selbst steht fuer das Ich, eher Ego. Die Instanz, die rational und "bewusst" entscheidet. Der Reiter, der nach links abbiegt, verleugnet und opfert seine Animalitaet/ Triebnatur. Ueberfunktion der linken Gehirnhaelfte . Der Rechtsabbieger lebt nach dem Lustprinzip und verleugnet seine intregrale Persoenlichkeit. Ueberfunktion der rechten Gehirnhaelfte. Dem, der verrueckt genug ist, den "Tod" zu waehlen, wird das groesste Geschenk, was man sich selbst machen kann, zuteil: Gleichschaltung von ratio & emotio. Dass ich natuerlich Jungs Interpretationen mag, liegt daran, dass er nicht so sexuell verhaftet dahergeredet hat wie Freud, seinem ehemaligen Freund und spaeterem Widersacher. Bei Jung habe ich das Gefuehl, dass er Synthese und Analyse seines Geistes und seiner Intuition im Gleichgewicht gehalten hat ( solve et coagula ), also nicht nur alles nur zerlegt, sondern auf hoeheren Ebenen verbunden hat. Natuerlich ist fuer heutige Zeit einiges obsolet, was psychologische Thesen von damals betrifft. Trotzdem finde ich den Jungen cool:). Jedem das Seine.
Wo war ich denn jetzt?
Ja, einen Bogen machen und den Reiter mit dem Willen zur Wandlung in Verbindung bringen, aber das ist jetzt zu offensichtlich. Das ist das Gute am Schreiben. Ach ja, wo ist die Notwendigkeit fuer eine Entscheidung in dem Maerchen? Das habe ich gar nicht herausgefunden. Sollte auch jedem selbst ueberlassen werden in unserer Zeit:). Ob andere einen fuer einen verrueckten Hund halten oder nicht...
Samstag, 26. Januar 2008
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