Ahhh, Madame ***y, die französische Kassiererin in einem Eppendorfer Supermarkt...für mich heisst sie Loulou. So würde ich sie natürlich niemals anreden. Eine attraktive Frau um die 50, mit allem Möglichen an Gold und Schminke behangen, was an ihr „richtig" aussieht. Auch wenn ihre Kasse gerade am vollsten ist, stelle ich mich bei ihr an und beobachte die Leute, die ihr gerade gegenüber stehen. Wie den älteren Herrn am Freitag:
„Olàlà, Sie abn nooch Lerrrguddscheinn. Ouhh, ätt isch fasd überrsehn."
„D-d-dann wär ich w-w-w-wieder gekommen, s-s-s-ehr g-g-gern sogar."
„Jachacha. Das machd dann sex-und-fünfsichsch-siebenn-und-dreisichsch." *grrr, heyr mit der köhle„
Ja! Hier bitte!" *nimmich„Merrrci!" *grrharharr bluuuut finalement
Ich glaube, ich weiss, warum ihre Kasse immer am vollsten ist. Habe auch immer so wilde Assoziationen, wenn ich sie schon höre. Ich sehe einen alten Kerker mit rotem und schwarzem Samt und Seide ausgestattet. Nein, sie liegt nicht breitbeinig auf einer Ottomane. Das ist meine Fantasie, nicht Eure, Jungs. Man hört sie zunächst nur, hinter dem Rücken: „Olàlà, werr hat sisch denn hierrhinn verrirrt in meine Hölé?? Laas Disch mal andschauen." Der Protagonist dreht sich um. „Hast Du mrr auch dreihunderrt-fünf-un-swansichsch mon chéries mitgebracht?" Translatales Kopfschütteln beim Protagonisten. „Nisch dabei?". Erneutes Kopfschütteln. „Böses Mädsche. Böse, böse, harrharr." Protagonist merkt, dass er ich ist (*help). „Hmmm und wie willz Du das wiederrr gudd machen? Hm?". Da steht sie vor mir, Loulou. In -war ja klar- schwarzem Mieder und Strapsen, fülliges Fleisch, verdorben bis in die kleinste Zelle, die Arme an der Taille angewinkelt. In der linken Hand angedeutetes Folterinstrument. Aus Ihren haselnussbrauen, großzügig schwarz umrandeten Eich- katzenaugen züngeln Flammen der wildträgen Mordlust. Die sanguinische Amazone aus der verbotenen Zone. Die Kannibalin Mutter Erde. Die desynchronisierte Kybele.*du-hast-meine-mon-chéries-vergessen-isch-maché-disch-ferrtisch.
„ I-i-i-ch habe Bares." „Guuuuuuud, rischtige Antwort, heyr mit derr Köhle".
Miau.
„Die Orandschah(n) san verdörban." *jetzt-bist-du-dran
„Äh, wie bitte?" *schwitz
„Die Bio- Orandschah(n) abn Dschimmell. Wollen Sie neue Orandschah(n)?" *bloss nisch kleines misdstück
„Macht nix, ich hab's eilig" *bibber
„Sischerr? Ok, das machd dann fuenf Öro zway-un-noinsisch."
„Ja! Hier bitte!" *tumirnixbitte
„Merrrci!" ( *rischtige antwort) „und ein schönes Wochenende" *grrharharr mit viel bluuuuut
„Ahhh".
Ein anderer älterer Herr an der Kasse daneben dreht sich um. Er hat einen hochroten Kopf. Schaut mich an, dann Loulou, dann wieder mich, wieder Loulou. Kopfschütteln. Und dann! Dann bricht es aus ihm heraus: „ Ich kenne allmögliches Volk, grad' hier in Deutschland lebt ja alles! Nur die FranzHosen sind die einzigen, die ausser ihrer eigenen Sprache keiner anderen mächtig werden. Was soll'n dieses, rr und jj und olala?". Loulou schaut ihn an, dann mich, dann wieder ihn, wieder mich. Lächelt ganz spitzbübisch, der ältere Herr zieht ab. Loulou lächelt weiter und beobachtet seinen entrüsteten Abgang, schaut wieder mich an und flüstert absolut verrucht : „ Is doch klar, was derr mal wiederr braucht, harrharrharr."
Demnächst nehme ich meine Erste- Hilfe- Tasche zum Einkaufen mit. Irgendwann wird einer von uns die Grätsche machen.
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