Freitag, 25. Juli 2008

Rejuvenation

.
.
.
Heute Nacht um 23 Uhr herum....ich habe es gefühlt:).
Es hat sich wieder etwas verschoben.
Und irgendjemand hat meinen Rockzipfel endlich losgelassen und macht endlich sein/ihr eigenes Ding! Schaut mir trotzdem noch zu, aber kein Zerren mehr.

Klingt alles total krank, ich weiss. Sorry, muss alle enttäuschen, die mich in die Gestörtenecke schieben wollen. Ich war oft bei Psychiatern und Psychologen, weil ich dachte, ich würde spinnen. Nein, keine Schizophrenie, kein Borderline, keine Hysterie. Ich habe damals gewünscht, dass man eine Diagnose findet. Nein, "leider nicht". Ich habe ein absonderliches EEG, aber kein psychologisches Äquivalent dazu. Jetzt weiss ich, was es ist! Und ich muss es jetzt schreiben. Um 6 Uhr Morgens!

ALLE Träume ( und alles, was ich sonst sehe!), die ich seit Jahren hatte, sind wahr geworden. Ich habe alle kennengelernt, die ich damals noch nicht kannte. Auch wenn die Träume manchmal einen "schlechten" Ausgang von Beziehungen voraussagten und ich nicht darauf vertraut habe. Es hat alles seine Ordnung. Ich träume wieder sehr viel, nur dass das Reale nicht mehr Wochen und Jahre braucht, um einzutreffen....die Dinge passieren noch fast am gleichen Tag. Es ist nicht immer etwas Persönliches. Ich sehe Leute und Abschnitte aus ihrem Leben, die ich noch gar nicht kenne. Und schwups, in den nächsten Tagen sind sie auf einmal da!?!

Ich musste lernen, mit Menschen so zu kommunizieren, dass sie keine Angst haben, dass ich sie durchschaue ( wobei ich nicht das Gefühl habe, irgendjemanden zu durchschauen. Ich dachte die ganze Zeit, man redet einander vorbei). Das ist deren Terminologie, nicht meine. Das war echt schwer. Tut mir leid Leute, aber keine Sorge, ich sehe nichts, was ihr sowieso nicht zeigen wollt unterbewusst. Nur, ich darf nichts tun. Das gehört sich nicht. Ich kann das nur sagen, auch wenn ich Gefahr laufe, dass manche Menschen wegrennen. Sorry.

Puh, muss jetzt mit dem Hund raus. An die Elbe, Joggen und ach was auch immer.

Werde später mehr schreiben.

Donnerstag, 24. Juli 2008

Die Ersten Und Die Einzigen

.
.
Das Sommerloch kann man gut ausnutzen, um etwas zu schreiben, was in diesen Blog gehört, ohne dass einige mitlesen:).

Sooo, nach einer geplatzten Familienplanung -so spontan und unvorgesehen sie auch war-, beschäftige ich mich natürlich vermehrt mit dem Thema Familie, Kids & Co. Nach 3 "verlorenen" Kindern habe ich die letzte Zeit die Vergangenheit noch mal etwas Revue passieren lassen. Erst mal schön vom Kopf her, denn die Emotionen der Vergangenheit sind so etwas von durchlebt und verarbeitet, dass sie mittlerweile ( mit Ausnahme der jüngeren Geschehnisse ) gerade noch abrufbar sind, jedoch nicht mehr ins Gewicht fallen, was meinen Gemütszustand betrifft.

Mit wem hatte ich die längsten, aber auch die lästigsten Beziehungen? Das waren wirklich immer nur die ersten oder einzigen Söhne einer Familie. Ich habe die jüngeren Brüder später kennengelernt und habe meistens auch (fieserweise) gedacht, dass ich diese lieber zuerst kennengelernt hätte. Eine glückliche Liebesgeschichte habe ich mit einem ersten Sohn gehabt, der allerdings eine jüngere Schwester hat. So glücklich, dass es sogar über die Trennung hinweg schön ist, wenn er mir jedes Jahr zu meinem Geburtstag Bilder seiner Familie mit seiner jetzigen Frau aus den USA schickt. Alle anderen hatten jüngere Brüder. Mit denen verstand ich mich vom Kopf UND vom Herzen her ( nein, nix erotisches passiert) so gut, dass ich es nicht fassen konnte. Jetzt verstehe ich es. Die Brüder hatten etwas, was mein jeweiliger Partner nicht hatten. Werte.

Werte hatten sie, die sie zum Teil noch aus der Familie mitgenommen, jedoch für sich noch mal revolutioniert hatten. Wenn ich jünger sage, heisst das immer noch so. 2- 4 Jahre älter als ich. Die älteren Söhne hatten nicht wirklich etwas, was ich als "Werte" bezeichnen würde. Sie waren auch irgendwie Revoluzzer, jedoch noch verhafteter im Konservatismus im Inneren, als man es ihnen ansehen würde. Nein, das waren alles keine Werte, keine alten und auch keine neuen. Sie haben sich nur einen bestimmten Lifestyle aufgebaut. "Es muss doch alles anders gehen als bei meinen Eltern". So viel an der Oberfläche und so wenig Inhalt. Es liegt an mir, dass ich mit denen zusammen war. Klar. Egal, was in meiner Familiengeschichte passiert ist: ich kann mit niemandem etwas anfangen, wenn ich ihm per se nicht einfach nur vertraue und ihn sich präsentieren lasse, wie er es möchte. Er MUSS nichts tun, DAMIT ich ihm im vornhinein vertraue. Die Spiegelungsebene gehört eben zum zauberhaften Anfang. ich lasse mich aber auch ganz gut von Schönheit anziehen. Ich habe mich erst dann wirklich seelisch abgewandt, wenn ich mich nach geraumer Zeit immer noch verkannt gefühlt habe, obwohl ich ganz sicher kein Buch mit sieben Siegeln bin. Niemand, aber auch niemand kann von mir erwarten, dass ich an der Oberfläche bleibe, das geht nicht. Was die Zeitqualität betrifft: es dauert nicht mehr 3 Jahre:), es geht nun viel schneller.

Was habe ich alles so gelernt? Viel, wenn ich rückblicke, sehr viel. Sehr viel über mich vor allem. Ich habe immer noch keinen Traumprinzen:) vor dem geistigen Auge; wie er sein soll, aussieht, was er macht was auch immer, Ich weiss nur, wie es sich anfühlt, denn dieses Gefühl habe ich nicht gelernt, es war schon immer da, immer wieder abgelenkt:). Aber es ist da und so wie es sich anfühlt, kann es nichts anderes für mich geben. Das kann auch der Gemüsehändler eine Strasse weiter sein, vollkommen egal. Aber es ist definitiv niemand aus meiner Vergangenheit. Falls die Jungs nun dort sind, wo ich sie nie "hatte" damals, bin ich schon wieder woanders. Synchronizität in diesem Leben mit X- Männern wünsche ich mir eben nicht:). Ich finde es schön, dass das Leben so voller Fülle ist, dass man keine alten Brötchen nochmal aufbacken muss, um etwas nachzuholen, was man auch für sich - mit abwesendem Partner- hätte längs klären können. Warum soll er auch immer wieder herhalten, weil ich nicht dazulernen will und vice versa?

Dienstag, 22. Juli 2008

Wet Dreams

.
.
hat wohl jeder, der surft:). Kann mir gut vorstellen, dass viele in ihren Träumen ohne board surfen. Ganz ohne alles. Auf der Welle ohne etwas dazwischen stehen zu können und sie zu reiten, endlos, wie heftig sie auch sein mag. Sich eins mit der Welle zu fühlen, finde ich generell schwer mit dem Ding, auf dem ich stehen muss. In meinen Träumen ist das alles ganz anders. Ich stehe auf dem Wasser:), auf einmal steigt die Welle unter mir hoch, so richtig hoch und ich denke im Traum, ich würde es nicht packen und untergehen. Seltsamerweise kann ich es dann doch. Das Reiten hört erst dann auf, wenn der Wecker klingelt. Das sind die schönsten Träume. So ähnlich wie einfach so fliegen oder tauchen ohne Hilfsmittel. Im realen Leben ist nun mal alles begrenzt. Auch wenn man aus dem Wellenreiten Allegorien zum echten Leben entwickelt, weiss man doch, dass es nicht stimmt. Jeder Ritt ist irgendwann vorbei. Entweder ganz seicht am Ufer, durch einen Candleflight ins Wasser oder einfach Waschmaschine. So sehr ich gerade im Atlantik die Waschmaschine fürchte, ist sie eigentlich die phänomenalste Erfahrung und nicht das perfekte Shortboarden bis zum eleganten Abgang. Beim Niedergeschmettertwerden nicht zu "wissen", ob man je wieder auftaucht. Man "weiss" nie, ob man wieder auftaucht, jedoch eins "weiss" man immer: dass man irgendwann sterben wird, weil nur der physische Tod die einzig sichere Entität ist, die man in seinem körperlichen Leben auf jeden Fall erfahren wird; egal wann, egal wie. Man kann sich ein Haus kaufen, eine Frau, Tiere, Auto, was auch immer:). Es ist nie berechenbar, ob man das alles verliert. Nur den Tod verliert man nicht. Ich treffe Surfer, die ich niemals für Surfer halten würde, da ich mir nicht vorstellen kann, dass diese Menschen sich auf solch unberechenbare Manöver einlassen. Ich habe sie nie gefragt, ob sie, wenn sie von einer Welle total überwältigt werden, wirklich noch "denken" können, dass sie da heil rauskommen oder es ihrer Intuition überlassen. Surfen diese Leute nur, weil es "cool" ist oder weil sie etwas ihrem Willen unterwerfen wollen? Dann gibt es noch die "Radfahrer" oder "Zombies" unter Surfern:). Die fühlen ganz genau, was es da gibt, aber lassen sich emotional nie wirklich darauf ein. "Zombie" wegen der Analogie zu lebenden Toten, keine Passion.. nichts, wofür es sich eigentlich zu leben lohnt außer für den eigenen angesammelten Schmerz und das eigene Spiegelbild. Kann mir auch egal sein, solange sie meine "Welle" nicht blockieren wollen:).

Ich würde ( und habe) mich immer für das Leben entschieden, gerade weil uns der Tod so sicher ist. Er wird kommen, so oder so. Er ist sicherer als die Geburt- so mal ganz unspirituell dahergelabert. Viel sicherer als die Geburt, denn er kann noch vor dieser eintreten. Ich werde wieder irgendwann surfen, die Entscheidung vom letzten Jahr ist natürlich relativ. Davor aber möchte ich noch etwas im Leben. Ich habe einen Herzenswunsch, den ich gern erfüllt hätte. Erst dann gebe ich mich wieder einer Waschmaschine hin. Wenn es auch 18 Jahre dauert, bis ich wieder surfe. Mit allen Konsequenzen.

Montag, 21. Juli 2008

Migräne

.
.
mit Übelkeit hatte ich seit Ewigkeiten nicht mehr. Heute Morgen kam ich nicht aus dem Bett heraus, so schlimm war es. Hausmittelchen helfen ja besser als Tabletten. So mussten wieder Tiger Balm & Co herhalten. Ich fühle mich so richtig schlecht, denn bei der Arbeit sind wir gerade so was von unterbesetzt, aber hilft ja alles nichts. Wenn man nur das sieht, was man sehen will und sich aus allem sonst heraushält, kommt das schon mal vor, dass sich der Kopf wehrt. Dafür ist es jetzt vorbei und der Vorteil ist, dass der Hund heute weiterhin bei mir ist und nicht bei der Hundesitterin ( die allerdings eine ganz tolle ist ). Der Hund verändert sich weiterhin stetig. Da ist richtig Dynamik in seiner Entwicklung. Obwohl es mein vierter Hund ist, muss ich zugeben, dass er der Schwierigste war. Eingesperrt im Küchenwandschrank in Ostdeutschland von Frau M, die endlich letztes Jahr von der Polizei hochgenommen wurde. Die haben noch mehr Huskies ( weibliche ) gefunden, die sich Löcher im Garten gebuddelt hatten, um sich von den aggressiven Rüden zu schützen. Im Wandschrank....man sitzt in seinen eigenen Fäkalien und hört die Stimmen. Die Geschwister spielen, da er -"Welpe Nr. 3"- angeblich der einzige mit Flöhen und Würmern sei. Ich hatte gar nicht vor, einen Hund mit nach Hause zu nehmen. Vor allem hatte ich das nicht mal mit meinem ID-Media-Mitbewohner in Berlin besprochen. Er wusste nur, dass irgendwann ein Hund bei uns auftauchen würde. So habe ich mir, seit ich die Katzen bei meiner Ma abgegeben hatte , also 2004, immer wieder Würfe angesehen. Anvisiert waren immer Husky- Weibchen oder Labrador- Mädel. Auf jeden Fall stehe ich in diesem unmöglich stinkenden Haus von Frau M und bin hingerissen von Welpe Nr.5, der blauäugigen schwarz-weissen Schwester von Welpe Nr. 3. Frau M fehlen die Zähne vorne. Sie sei ♥s4- Empfängerin, würde sich nur über die Hunde finanzieren können...blablabla. Das Mädel ist mir zu schüchtern, aber trotzdem reizend, also treffe ich eine schnelle Entscheidung und möchte sie mitnehmen. In diesem Moment ist dieses Jaulen da. Ich frage die Frau, woher das kommt, denn es ist zu nah. "Das ist Welpe Nr. 3", sagt sie und macht die Tür des Wandschrankes auf. Da ist er. Welpe Nr. 3, ist es ein schwarzer Hund? Auf jeden Fall liegt er in seinen eigenen Auswürfen und ein paar Pansenstückchen mittendrin. Dann kommt die Geschichte von Flöhen und Würmern und dass sie es sich nicht leisten könne, die Tiere veterinär versorgen zu lassen. "Was werden sie dann mit ihm machen", frage ich sie...mein Kopf nimmt die Situation nicht so ganz auf, so bizarr ist die Situation. "Mir fällt eine Lösung schon ein", sagte sie zahnlos lächelnd. Ich werde selten so wütend und verzweifelt. Ich bin wütend und mir laufen gleichzeitig die Tränen, so wirkt man nicht gerade gefährlich. Ich drohe ihr mit der Polizei...sie lacht. Bis die aus Parchim ankommen, sei das alles sauber usw.. Mir bleibt nichts anderes übrig, kann nicht klar denken...Ich packe "Welpe Nr.3" am klebrig-nassen Nacken und versuche diesem Haus zu entkommen. Irgendwie scheint nun die Unmenschin panisch, folgt mir und labert irgendwas. Am Auto knuddele ich Welpe Nr. 3 in meine Picknickdecke und platziere ihn hintern dem Beihafrersitz. Frau M hat schon aufgegeben.

Wir fahren los. Ich habe mich verfahren und bin fast in Hamburg gelandet, obwohl ich damals noch in Berlin wohnte. Also nochmal 2 Stunden fahrt. Die Idee, Welpe Nr. 3 zuerst zu waschen, dann zum Tierarzt und ins Tierheim zu bringen, kommt mir plausibel vor. Da jault er von hinten. Nicht anschauen sage ich mir. Es stinkt von hinten bestialisch. Geht nicht, ich blicke runter nach hinten und Welpe Nr. 3 und ich schauen uns für Sekunden in die Augen. Liebe. Ich befürchte, dass es nichts wird mit dem Abgeben. "The Way" von Fastball ertönt gerade aus dem Autoradio.

Zuhause braucht er drei Waschgänge, damit man überhaupt sieht, dass er ein schwarz- weisser Hund ist. Und süss ist er. Mein Mitbewohner kommt nach Hause ( er ist ein Katzenmensch, schlecht gelebter Wassermann-Kopfmensch mit Kontrollzwang- :) für die Esoteriker unter Euch), sieht ihn und lacht sich schlapp. "Behalte ihn doch", sagt er. Bin überrascht, dass er es so hinnimmt. Wir sitzen in der Küche und überlegen uns einen Namen. "Bela", sagt er...Tomasz...der ungarische Einfluss auf den Siberian ist unübersehbar...passt aber alles nicht. Am dritten Tag sehe ich ihn an und dann kommt es, "Laszlo". Dieser Hund kann nicht anders heissen. Mein Mitbewohner ist ebenfalls einverstanden. Die beiden mögen sich auch. Er kommt auch damit klar als peinlich sauberer Mensch, dass Laszlo -auch für Welpen unüblich- überall trotz Gassi alle 2 Stunden hinmacht und sich reinsetzt. Wir haben jeden Tag ständig geputzt und den Hund gewaschen.

Laszlo ist ganz verstört. Wenn es draussen laut wird, fängt er zu fiepen und jaulen an. Er darf nicht in mein Zimmer wegen der Flöhe. Ich habe es nicht so mit Parasiten. Sein Reich ist der Flur. Ich werfe meine Matratze nah an die Zimmertür, lasse die Tür offen. Laszlo möchte die Türschwelle überschreiten nachts, darf aber nicht. Er versteht. Ich hätte ihn so gern im Arm gehalten. Er liegt im Flur, mit dem Kopf an der Türschwelle und schaut mich an, so schlafen wir jede Nacht ein. Mir tut das alles sehr leid, aber ich komme nicht über die Kriechviecher hinweg, bis Laszlo ganz gesund ist.

Er ist sehr sehr schwierig. Wie ein Autist hat er lange Phasen, in denen er nichts aufnimmt von außen. Dann hat er Panickattacken. Von dem üblichen Hundeerziehungskram bin ich weit weg. Ich möchte, dass er sozialisiert. Egal, was andere mir sagen....es ist mir vollkommen egal. Das weiss ich alles schon. Ich muss dafür keine Bücher lesen. Eins weiss ich. Es gab Momente, in denen ich ihn an die Wand hätte klatschen können. Wenn man so mit seinen eigenen Ohnmachtsgefühlen konfrontiert wird, wie dieser Hund es bei mir getan hat. Ich sage es Euch Leute: Geduld, Liebe, Gelassenheit. Nicht negative Sanktion, nicht ständiges Unterwerfen, nicht mit Hunger erpressen, nicht mit Leckerlie. "Er wird Dich dominieren", sagte man mir. So ein Quatsch. Ist alles nicht eingetroffen. Es wird vielleicht kein Ja- Sager- Hund, aber dafür ein liebevoller. Mir war vor allem wichtig, dass er - wie alle meine Tiere- mit Kindern umgehen kann. Wenn man sich so vorstellt, dass aus ihm irgendwann ein großer, nicht- kastrierter Rüde wird.

Ich musste ihn zwischendurch immer wieder abgeben Ende 2006/ Anfang 2007 aus beruflichen Gründen und habe bemerkt, dass er dadurch nur Rückschritte macht. Also musste ich mein Berufsleben schneller umstellen als geplant. Letzendlich bekam ich auch Hilfe von außen, damit ich den Alltag mit ihm regeln kann; mein eigener Verstand schien in diesem Fall nicht gut zu funktionieren, weil ich ständig emotional mit dem Hund beschäftigt war. Laszlo hat immer noch ab und zu Autisten- und Panikphasen, wenn wir draussen sind. Er liess meine Nähe bis vor kurzem nicht zu, wenn er sich ausgeklinkt hat. Bis Mittwoch. Es ist irgendetwas passiert. Laszlo hat sich aus dieser Phase von mir herausholen lassen. Ich freue mich so.

Vielleicht weiss seine Hundeseele , dass er jederzeit gehen darf zu wem er auch will, aber dass ich ihn niemals einfach so verlassen würde.

Donnerstag, 17. Juli 2008

Die Kusswanderung

Vom Herzen auf die Hand
Von der Hand auf die Augen
Von den Augen auf den Mund
Vom Mund auf die Hand
Von der Hand auf das Knie

Knie an Knie

Vom Knie auf die Hand
Von der Hand auf die Lippen
Von den Lippen zurück ins Herz.

Knie an Knie
Augen an Augen
Herz an Herz
Hand auf Hand
Hand auf’s Herz


Aber bitte zieh dabei die Handschuhe aus.:)


PS: ich bekomme mein altes Gedicht nicht mehr ganz zusammen:(

Mittwoch, 16. Juli 2008

"(D)eines Vaters Herz

sei krank, sagtest Du mir letzte Woche in meiner letzten REM- Phase. Du hast bitter geweint, standest aber auch gleichzeitig als kalter Klon daneben, mit diesem verbitterten, zusammengekniffenen Mund, wie im realen Leben, wenn Du mit mir etwas Unangenehmes besprichst. Deine Seele hat bitter geweint und ich habe mit Dir geweint. Deine ganze traurige Geschichte mit Deinem Dad vor meinen Augen. Verletzungen, die er Die so nebenbei zugefügt hat, indem er Dich/Euch verliess. Ich habe alles gefühlt, mit Dir. Deinen Schmerz, ihn im Angesicht des Todes immer noch beschuldigen zu müssen, obwohl Du doch nur eins von ihm wünschst: Es tut mir leid mein Sohn, was ich Euch angetan habe. lass mich Dich einmal so in dem Arm nehmen, wie es ein nur Vater kann. Von Deinem Rücken her umfasst von beiden Seiten. Du spürst seine Brust auf Deinem nicht belastbaren Rücken, Du lässt Dich endlich gehen und dann passiert etwas...Diese Kraft der väterlich- behütenden Liebe geht zu Dir über. Du blickst durch, dass nur Du Dir dieses Gefühl für immer schenken kannst und niemals ein Partner. Er ist stolz auf Dich, auch wenn er es Dir nie gesagt oder gezeigt hat. Er ist stolz, dass Du das geworden bist in seinen Augen, was Du ihm gerade zeigst. Er ist stolz, weil Du es gerade ohne ihn geschafft hast. Er war damals nicht belastbar. Er liebt Dich, auch wenn es Dir schwer fällt, es zu glauben. Er tut es und er fühlt sich schuldig. Ich habe Dich gefragt, ob Du über Deinen Vater redest oder über eine bestimmte Vaterfigur. Du sagtest, dass sei irrelevant und hast weiter geweint. Ich fragte Dich, ob es Dir möglich ist, ihm endlich zu verzeihen. Ihm und Dir selbst mit aufrichtigem Verzeihen die Freiheit schenken...Du fragtest, warum gerade Du es tun solltest. Er sei der "Verbrecher". Ja, er ist aber ein sehr armer Verbrecher, der erkennt, was er verbrochen hat. Und er liebt Dich wirklich. Das Verzeihen ist ein blödes Wort, aber es liegt an Dir, weil Du so mit dem Leben gekämpft hast ohne ihn und auch um ihn..und weil ich an Dein Herz glaube, auch wenn es zwischen uns schlimm gekracht hat: ja, Du auch um ihn, auf Deine Art...fast unmerklich...so wie es sein Stil ist. Ihr seid Euch näher, als Du es wahrhaben willst. Das ist der Schritt. Deine Seele vermag zu reisen, seine nicht; sonst hättest Du es mir nicht erzählt, wo wir uns gerade so fern sind und ich ganz sicher keinen Kontakt zu Dir haben will. Herz oder Krebs, so sicher bin ich mir nicht, Vater= Metapher, da bin ich mir auch nicht sicher, aber sicher ist: bei Dir passiert gerade etwas Exorbitantes...Du hast eine Einladung bekommen in des Hades' Reich, Laszlo war bei Dir. Es gab nichts zu befürchten an dieser dunklen Treppe nach unten, der Hund war ganz entspannt. Du hattest Angst. Habe keine Angst, sie führt Dich von Dir weg zu Dir zurück, jedoch nur zu dem Menschen mit den eingezogenen Schultern und und zusammengekniffenen Mund. Kannst Du versuchen, einmal diese Treppe nach unten zu meistern und in den See einzutauchen? Kannst Du Dich einmal dafür entscheiden, anstatt Dein Leben einem fremdbestimmtes Regelwerk zu unterwerfen? Wenn Du eintauchst, wirst Du sehen, dass es für jeden, der sich unter Wasser befindet einen Ausgang nach oben gibt. Bitte, tue es für Dich, nur für Dich. Du hast die Tür aufgestossen, um Dich zu finden, gehe da endlich hinein zu Dir.

Wenn nicht, reise nächtens nicht mehr zu mir, um mir die Dinge zu sagen, die Du mir sonst nicht als Physis mitteilen kannst. Bitte, ich möchte nicht jeden Tag mit Herzrasen und Heulerei beginnen, weil Deine Schmerzen so groß sind. Das ist Deine Reise, ich kann Dir nur eine Begleiterin dabei sein, nicht Deine Führerin. Und vor allem: Du brauchst keine Begleitung außer Dich selbst.

Mag sein, dass ich unstet und flüchtig wirke, bin ich auch...wenn ich Dich Dir gegenüber stehe und mich nicht entscheiden kann, wem von "Euch" ich mein Seelengehör schenken soll. Ich teile Deinen Schmerz über Deinen Verlust von ganzem Herzen, was es auch immer sein mag. Aber bitte triff Deine Entscheidung und go for it. Da unten ist nichts, wovor Du Dich zu Tode fürchten musst. Das ist nur ein Tauchgang in Dein Inneres; glaub mir, Du wirst Dich danach leichter fühlen, wie die Liebe.

Du bist natürlich mehr wert als der Hund, der Dich damals gebissen hat. Für jeden, der Dich liebt- wirklich liebt, rede nicht vom Macht-Kontroll-Geld-Nummern. Ich lasse meinen Hund bei dir, er wird Dich die Treppe herabbegleiten und falls Laszlo nicht zurückkommt, ist es eben so. Er hat sich dann für einen anderen Ausgang entschieden. Du bist es mir wert, den richtigen Ausgang zu finden.

Und jetzt: bitte entscheide Dich endlich:

du folgst Deiner inneren Route und siehst Dinge über Dich selbst, die einem mal nicht gefallen könnten. Schmerzen zulassen, weinen, verzweifeln, lachen, tiefe Schmerzen und wo landest Du , wenn alles abfällt ? Im Wasser des Lebens, Deine Ausgänge sind Dir offen. Rejuvenation of brain heart & soul, love and real love never hurts;) I know that better than my own name.

Oder: erzähl mir einfach nichts mehr.


Bitte Herz, nimm Abschied und gesunde"

Kleiner Prinz, was nun?

Ich stelle gerne periodisch meine eigenen Ansichten in Frage. Das führt häufig zu neuen Einsichten. Manchmal bleiben aber auch die alten. Nicht so bei einem meiner Lieblingsbücher aus der Kindheit. "Der Kleine Prinz" von Antoine de Saint- Exupéry. Als man mir vor ca. einem Jahr verkündet hat, ich könne keine Kinder bekommen, habe ich mich vom großen Teil meiner Kinderbücher, die ich für meinen Nachwuchs aufbewahrt hatte, getrennt. Ich habe alte Bücher aus den 60ern und 70ern, die meinen Eltern gehört haben, an die Kinder meiner Freunde und Bekannte verschenkt, da ich mich mit einer lebenslangen Kinderlosigkeit abgefunden hatte. Die, die mich kennen, wissen nun, dass man Ärzten nie 100 Prozent glauben sollte:), auch wenn ich selbst eine bin. Tja die Zwillinge haben leider auch nicht überlebt, aber es hat mich dazu gebracht, das Kinderthema nochmal umfassend zu überdenken/überfühlen.

Der Kleine Prinz, einer meiner Helden, ist es heute leider nicht mehr. Ich habe vorletzte Woche das Buch noch mal gekauft und gelesen. Ich finde die Geschichte immer noch wunderbar. Schon als Kind hatte es meine Vorstellung von Leben und Sterben so geprägt, dass ich gar nicht mehr an einen omnipotenten Gott glauben konnte. Ich habe an die Sterne geglaubt und dass es wirklich Zwinkern von einem anderen Stern ist, wenn man hoch schaut und Gestirne blinzeln. Auch wenn Großvater mir das mit den Lichtjahren, dem Urknall, der Lichtgeschwindigkeit und atmosphärischer Brechung erklärt hat. Die Vorstellung, dass da oben ein anderes Wesen zwinkert, weil er mitbekommt, dass man hochguckt....wen interessiert da noch Physik? Ich habe auch zurückgeblinzelt. So ganz unter uns, ich tue es heute immer noch:).

Der Kleine Prinz sagt aber auch anderes. Vor allem über andere. Er begegnet dem Herrscher und dem Säufer auf deren Planeten und wertet diese. Die einzige Figur, die er gerade mal so wertschätzen kann, ist der Lampenmann, der ja irgendwie eine Aufgabe hat. Lampe anzünden, wenn es dunkel wird, Lampe ausmachen, wenn es hell wird. Ich werde meinen Kindern (falls ich je wieder das Glück haben sollte) dieses Buch nicht einfach so in die Hand drücken. Die Aussage, dass man eine Funktion erfüllt, damit ein Kleiner Prinz einen wertschätzt, könnte sich nämlich suggestiv bei den jungen Seelen festsetzen. Die Frage, dass die Aufgabenstellung des Lampenmannes stupide sein könnte, wird nicht berührt. Das wäre natürlich die Aufgabe der Eltern. Und natürlich auch, dass Wertung zu nichts führt, sondern Verständnis eines jeden in seinem jeweiligen Universum. Man kann sich ja trotzdem von unpassenden Menschen distanzieren. "Man sieht nur mit dem Herzen gut", sagt der Fuchs. Er hat vollkommen recht. Aber stimmt es, dass man nur etwas lieben kann, was einen braucht oder woran man sich allmählich gewöhnt, gegenseitig Verantwortung lernt? Ich kann mich damit nicht anfreunden. Haben wir es beim Fuchs mit einer Nähe- Distanz- Störung zu tun, vermutlich auch beim Kleinen Prinzen, der nur so wieder zu seiner Rose zurückfindet?

Wie schade, ich muss den Kleinen Prinzen von meinem persönlichen absoluten Sockel herunter holen. Ich finde das Buch immer noch wunderbar, aber ich kann der Gesamtaussage nicht mehr meine grenzenlose Bewunderung entgegenbringen, weil es eben auch ein Buch für Kinder ist.

Schluchz.

Dienstag, 8. Juli 2008

La Femme D’Aujourdhui



Ein Bekannter aus Köln, der sich nicht so recht von seiner Ex lösen konnte, hatte mir mal so aufgelistet, was er gut und schlecht an ihr findet. (Wem’s hilft). Unter anderem fiel der Satz „Sie achtet beim Autokauf darauf, dass es einen guten Getränkehalter gibt. Das ist ihr Hauptkriterium. Das finde ich toll.“ Bei mir haben bei diesem Satz sämtliche Alarmglocken geläutet. Aha. Er und ich hatten auch schon diverse Male diskutiert, ob es eine Synchronizität zwischen Auto- und Partnerwahl gibt. Wenn man davon ausgeht:

Also Frau sucht sich ein Auto aus, was einen gut erreichbaren Getränkehalter hat. Was sagt das dann bitte über ihr Männerbild aus? Da ich ja ein sub
jektiver Mensch bin, habe ich mich erstmal gefragt, warum ich mein Auto ausgewählt habe. Zunächst zum Äußeren: Mein Auto hat schöne , große und freundlich einladende Augen ( Scheinwerfer). Es ist nicht mehr das jüngste Gefährt ( ca. 193 TKM) , aber sein Herz ist stark und wird von mir regelmäßig gepflegt ( Ölwechsel). Der Wagen hat ein eher unauffällig- elegantes silberfarbenes Kleid, aber auch die versteckte Kraft eines Bullen ( Turbolader). Er hat nun Kratzer und paar kleine Beulen ( danke Berliner Sozia
lneidler, das ist nicht mal ne Luxuskarosse ). Keine technische Vollausstattung. Und er macht Darmgeräusche, weil er auch eine Schraube locker hat:), die im Kat scheppert. Ich bilde mir sogar ein, dass er den Weg nach Hause mittlerweile ganz alleine findet. Auf jeden Fall ist es Liebe, gegenseitig. Wir haben halb Europa zusammen gemeistert. Und er ist schön groß, so was wie ein ausgelagertes Zimmer. Ich bin extra damals nac
h Italien gefahren, um dieses Auto zu holen, da er in Deutschland zu teuer ist. Italiener mögen diese Marke nicht. Getränkehalter? Könnte man anbringen. Es gibt zwei Flaschenmulden zwischen den vorderen Sitzen, die nicht so gut erreichbar sind, ohne dass man Gefahr läuft, etwas zu verschütten. Aber noch mal: Getränkehalter als Kriterium? Also etwas, was Deine überschüssige Last tragen soll? Man kann sich notfalls das Getränk auch zwischen die Beine klemmen. Hat Mann keine andere „Funktion“, als Dir Samen zu spenden, Deine überschüssige Last aufzufangen, während Du den Spagat zwischen Familie, Karrieregeilheit und Freizeit meistern willst? Soll es das bedeuten? Der Getränkehalter? Einmal vice versa: Haben sich Frauen nicht genau aus diesen Gründen emanzipiert? Und jetzt? Jetzt behandelt man Männer genau so, wie sie Frauen behandelt haben? Und 
fragt sich: Was sind das denn für Weicheier, die Jungs von heute? Kein Wunder. 




Ach, ich könnte jetzt stundenlang weitererzählen; warum z.B. Männer sich auf so etwas einlassen, aber wieso?

Montag, 7. Juli 2008

Das AS




Das AS gehört zu den Stadtgesichtern Hamburgs, die einem jederzeit und unverhofft über den Weg laufen können. Er ist DER Meister der Akquise der ersten Phase. Verkaufen und vermitteln kann er alles...Autos, Holz, Hunde, Träume u.v.m. Unser Team aus dem Grundkurs 'Hobbypsychologie und Straßenjournalismus' vom Gymnasium Freiherr- vom- Stein ( FvS ) hat sich ob seiner gefragten Astralperson und seiner Berühmtheit um ein Interview mit Herrn AS bemüht und wider Erwarten hatte dieser wirklich spontan Zeit für uns mit der einzigen Bedingung, das wir ihn vom Altonaer Bahnhof abholen.

Ein Café in Ottensen, Orangensaft und Tee, das Diktiergerät und der Fotoapparat. Davor haben wir uns durch den afrikanischen Basar gekämpft:



Herr AS wirkt zufrieden, zeitweise abgelenkt und mal auch verspannt und dann wieder ganz bei sich. Anstatt ein Portrait eines Profi- Kaltakquisiteurs zu zeichnen, haben wir gemeinsam beschlossen, ein Interview auf der freien Basis der Seelenassoziation zu führen, auch wenn die Fragen zunächst banal erscheinen mögen....



FvS
Herr AS, gibt es ein einzelnes Ereignis in Ihrer Kindheit, was Sie zu dem gemacht hat, was Sie heute sind?

AS:
Ein ganz gravierendes Ereignis. Das war 1986, ich bin mit meinen Freunden nach Wolfsburg gefahren zu einem Halfpipe. Wir wollten Skateboard fahren und wir sind auf einen sehr hohen Berg gefahren. Ich bin mit einem fremdem Skateboard downhill gefahren und ich war zu schwer. Derjenige, dem das Skateboard gehörte, hatte die Lenkung sehr weich eingestellt. Und dann bin ich ins Wanken gekommen, mir kam ein Auto entgegen. Ich hatte dann vor, in den Straßengraben zu fahren und mich einfach ins Gras fallen zu lassen, um meinen Sturz abzudämpfen. Was ich dabei nicht beachtet habe, war, dass es am Straßenrand Schotter gab und so rutschte mir das Brett unter den Füßen weg und ich fiel auf den Hinterkopf und verlor mein Gedächtnis. Danach war mir alles fremd und ich bin in der Schule sitzen geblieben, weil ich nicht mehr wusste, wo ich überhaupt bin. Ich bin auch Zuhause nicht mehr klargekommen, weil ich nicht mehr wusste, wo das Klo ist und was und wo meine Sachen waren und was ich gerne mochte. Ich kann mich überhaupt an gar nichts erinnern. Ich denke, das war das entscheidendste Ereignis meiner Kindheit. Das war vor zwanzig Jahren, also bin ich jetzt immer noch so infantil wie ein Zwanzigjähriger.

FvS:

Jedoch scheinen Sie ja Ihre Energien irgendwie kanalisiert zu haben. Gab es einen Idol oder reale Führungspersonen in Ihrer Laufbahn, von denen Sie in ihrem Werdegang immense Unterstützung erfahren haben?

AS:
Leider hatte ich keinen Mentor und sonst auch niemanden, der mich besonders unterstützt hat. Aber dass mich keiner unterstützt hat, hat mich enorm unterstützt, weil mich das angespornt hat, gut zu sein und die Anerkennung und die Beachtung anderer Menschen zu bekommen. Ich bin sehr stark in mich selbst verliebt und würde mich auch gerne selbst heiraten, jedoch ist das juristisch noch nicht möglich. Zumindest nicht Hier und Jetzt, ähm...Ich habe mich früher für den hässlichsten Menschen der Welt gehalten, bis ein Freund meines Bruders sich meiner Person erbarmte und mit mir eine Fotosession machte. Die Fotos sind sehr viel besser geworden als meine Erwartungen und danach habe ich mich für den hübschesten Menschen der Welt gehalten. Das war sicher auch ein Schlüsselerlebnis. Jedoch einen Mentor im klassischen Sinne oder jemand, der mir als Vorbild oder Idol diente, gab es eigentlich nicht, weil ich nach wie vor der Ansicht bin, dass man alles erreichen kann, was man erreichen möchte. Auch ohne dabei auf den Unterstützung anderer angewiesen zu sein.

FvS:
Danke schön. Normalerweise haben Menschen mit Ihrem Background die Angewohnheit, andere nicht weiter zu unterstützen oder diesen nicht wirklich zugetan zu sein, um ebenfalls als ein Idol nicht zu funktionieren. Haben Sie solche Neigungen an sich entdeckt?

AS:
Ja also, ich sehe mich da massiv als ausgleichendes Element des Universums, weil mir sehr viel gegeben worden ist und ich praktisch nie selber irgendwelche Probleme hatte. Ich suche mir immer Probleme oder suche mir Leute – z. B. welche, die ein Elternteil verloren haben oder die mit Gesetz im Konflikt leben oder Betäubungsmitteln sehr zugetan sind oder andere Herausforderungen haben, an denen diese Leute zu zerbrechen drohen-. Ich habe zum Beispiel in den letzten zwei Wochen zwei Diplomarbeiten geschrieben und kümmere mich auch sehr stark um Leute, die im Begriff sind, sich praktisch aus sich selber heraus neu zu formieren, jedoch aus gewissen Gründen begrenzte Handlungsfähigkeit haben. Ähm, es gibt mir vielleicht auch etwas zurück, indem ich sehe, dass das , was ich selber nicht abgeschlossen habe, durchaus für andere möglich ist, abzuschließen. So eine Art Helfersyndrom.

FvS:
Dank an Sie, dass Sie uns private Unterlagen aus Ihrem Leben zur Verfügung stellen wie diese Postkarte von Ihrer Mutter an Sie. Hätten Sie Lust, mehr über diese Dame zu erzählen?

AS:
Nein, nein, die Firma war so frei, das in die Hand zu nehmen und ich begrüße das auch. Und ich stelle in letzter Zeit fest, dass ich meinem Vater immer ähnlicher werde.

FvS:
Sie stellen also fest, dass Sie Ihrem Vater ähnlicher werden. Sie haben vor 15 Minuten ebenfalls erwähnt, dass Sie sich am liebsten auch selbst heiraten würden, weil Sie in sich selbst verliebt seien. Könnte es bei dieser Konstellation zu Überschneidungen und schweren Konflikten zwischen Ihrer Person und Ihrem Alter Ego, der Ihrem Vater immer ähnlicher wird, kommen? Oder sind Sie auch in Ihren Vater verliebt? Ist Ihr innerer Dialog mit sich selbst ebenso kritisch wie jener innerer mit Ihrem Vater?

AS:
Ich bin nie im Leben in meinen Vater verliebt. Das ist nur ein Teil der Wahrheit, die sich gerade mit Erschrecken feststellen lässt....Will ich mich selber deswegen heiraten, damit sämtliche Frauen auf dieser Welt davor verschont bleiben, mit mir verheiratet zu sein? Es ist sicher kein Zuckerschlecken, mit mir verheiratet zu sein. Also, ich komme mir zwar sehr süß vor, bin aber, das habe ich nachhaltig festgestellt, nicht selber aus Zucker, weil ich sehr oft in den Regen gehe und obwohl ich den Regen massiv auf dem Kopf spüre und trotzdem nicht abnehme. Wenn ich aus Zucker wäre, wäre das der Fall. Auf der anderen Seite sehe in ungleichmäßigem, ja temperaturschwankendem Regen eine fantastische Massage. Eine Zeit lang bin wirklich zum Frisör gegangen, damit mich überhaupt jemand anfasst. Ich kann diese Tarnung des Frisörs nicht mehr benutzen, um mich anfassen zu lassen, weil ich keine Haare mehr habe. Ähm, ich werde andere Mittel und Wege finden und mich vielleicht einfach als Masseurminister bewerben. Ich habe in Berlin eine Frau kennen gelernt, die sehr viele ajurvedische Techniken beherrscht und unbedingt Probanden sucht, um zu prüfen, wie gut sie wirklich darin ist. Das ist aber gleichzeitig die Frau eines sehr eifersüchtigen und besitzergreifenden Mannes, den ich kenne und der meint, mich zu kennen, was das ganze Unterfangen als schwierig aber auch als interessant gestaltet.

FvS:
Nochmal die Frage, ob sich Ihre „bessere Hälfte“- Funktion mit dem Stellenwert Ihres Vaters in Ihrem leben überschneidet...

AS:
Mmm, alles Wehren hat in diesem Falle keinen Zweck, weil es offensichtlich ist und es wäre dumm und einfältig, das Offensichtliche zu verleugnen. Mein Vater gibt überhaupt keine Kommentare über sich ab. Heute zum Beispiel sagte er mir, ich hätte gestern ( Anm. der Red.: Das AS kommt gerade von einer Familienfeier aus dem Süden ) alle Leute, die dort anwesend waren, verwirrt. Tatsache ist aber, das ich mit niemandem geredet habe, er dagegen zu viel getrunken hat, was ich ihm knallhart an den Kopf warf. Und ich denke, das könnte ihn beleidigen und verletzen, aber wird an seinem Handeln nichts verändern und genau da bin ich wieder am Ursprung meiner These: ich weiss, was richtig ist und habe die letzten Jahre konsequent damit verbracht, eben nicht das Richtige zu tun. Ich habe sehr viel aus Trotz gehandelt und aus dem Wahnsinn heraus, aus Fatalismus und aus , ja, Debilität. Aber inzwischen bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich denke, es könnte auch mal richtig sein, das Richtige zu tun, indem man weiss, dass es das Richtige ist.

FvS:
Das weist auf gespaltene Positionen hin, Herr AS...

AS:
Meine Position ist eigentlich eindeutig. Denn meine Position ist es, gar keine zu haben. Ich bin vom chinesischen Sternkreiszeichen her Hund, also treudoof; d.h. wenn man mich schlägt oder wegtritt, werde ich immer wieder zurückkommen. Es zieht mich praktisch magisch zurück. Zudem bin ganz stark vom Waage- Sein geprägt. Das bedeutet, immer wenn ich ein Pro sehe, denke ich auch an das Kontra und immer wenn ich ein Kontra höre, denke ich auch an das Pro. Ich bin also im genau an dem Scheitelpunkt einer Waage- Konstellation und absolut unfähig, eine Entscheidung zu fällen. Das heisst zum Einen, dass ich im allen Negativen etwas Gutes sehen kann. Wenn zum Beispiel bei mir eingebrochen wird, freue ich mich und sage „Mein Gott, immer hatte ich Angst davor, dass jemand in meine Intimsphäre eindringt. Jetzt ist es endlich passiert und ich lebe immer noch. Endlich ist es passiert, na Gott sei Dank.“ Aber auf der anderen Seite ist es auch so, dass ich mich über nichts freuen kann. Denn egal worüber ich mich auch freue, sehe ich die andere Waagschale und ich bin dazu verdammt in meinem Zentrum, in diesen beiden Waagschalen zu stehen. Komme ich hinein in einen Raum, in dem eine extrem gute Laune herrscht und übertriebene Albernheit, so macht mich das wütend, aggressiv und traurig. Komme ich in einen Raum hinein, wo gerade jemand zu Tode getragen worden ist, zu Grabe beispielsweise als in Folge von Tod, dann keimt in mir eine unglaubliche Freude auf und ich habe den Drang, alle Leute mit Witzen oder mit lustigem Spaß zu infiltrieren, weil ich immer so eine Art ausgleichendes Element bin. Also es ist so, dass ich immer eine Flut erwischen werde, wenn ich eine Wattwanderung machen möchte und immer wenn ich jemandem die Nordsee zeigen wollte, nichts da wäre ausser Schlamm. Egal, wie dem auch sei, es gilt für mich dasselbe. Das bedingt eben das Waage- Sein.

FvS:
Interessante Spur von der Vaterfigur zum Waage- Sein. Eher ein großer Katzensprung. Na gut, was ist denn Ihr Aszendent?

AS:
Mein Aszendent, das ist ja das Fatale, ist leider nicht Steinbock, was ich die ganze Zeit geglaubt habe. Ich habe dazu von einer erfahrenen Astrologin hier in Hamburg nur ein Hände- über- dem- Kopf- Zusammenklatschen geerntet. Ausgerechnet an meinem Geburtstag, als sie sang und lachte und mit einem Schifferklavier durch ihre Wohnung sprang, was mir eine unglaubliche Freude bereitete – ihre Tochter war leider schizophren und hat versucht, mich in den Wahnsinn zu treiben. Jedoch war ihr Vorhaben nicht von Erfolg gekrönt, weil ich zuvor schon wahnsinnig gewesen bin- ...wie sich dann herausstellte, ist mein Aszendent überhaupt nicht Steinbock, sondern Schütze.

FvS:
Empfinden Sie das als ein schweres Los?

AS:
Jaa, ich habe dann einen Mann kennen gelernt, weil ich mit seiner Frau seit sechs Jahren eine Affäre unterhalte. Ich kam an ihm nicht vorbei, obwohl er sehr schmal ist. Er hat dann ein professionelles Horoskop von mir erstellt, welches zwei Wege für mein Leben aufzeigt. Falls ich den einen Weg wähle, werde ich ein weiser Eremit und werde einsam in einer Höhle enden und viele Leute werden sich von mir einen Rat holen. Wenn ich das andere Schicksal wähle, werde ich einsam und verlassen in einer Höhle leben als ein dummer und alberner Schwätzer. Also, wie es auch ausgeht, ich werde immer allein sein.

FvS:
Sie haben von ca. 10 Minuten erwähnt, dass Sie unfähig sind, eine Entscheidung zu fällen. Könnten Sie sich denn für den einen oder anderen Weg überhaupt entscheiden?

AS
Nein, das ist letztendlich das Schicksal, was einen Weg für mich aussucht. Beide Optionen stehen mir offen, aber es ist eben von vornherein bestimmt, dass eine von beiden Alternativen sich für mich erfüllt.

FvS:
Nochmal zu der Frage:-). Das Horoskop zeigt nur zwei Wege und Sie haben 'wählen' gesagt, jedoch nichts davon in diesem Zusammenhang, dass das Schicksal einen von beiden für Sie aussuchen wird. Also, werden Sie fähig sein, sich zu der einen oder anderen Seite hingezogen zu fühlen?

AS:
Ich glaube, dass, wenn man plant, ein weiser Eremit zu werden, man sehr schnell Gefahr läuft, ein alberner Schwätzer zu werden. Und wenn man plant ein alberner Schwätzer zu werden, könnte man dabei klammheimlich versuchen, zum weisen Eremiten zu werden. Wobei dann der Versuch sowieso zum kläglichen Scheitern verdammt ist; insofern lasse ich es einfach auf mich zukommen und versuche gar nicht, ein weiser Eremit zu werden und werde dann vielleicht, wenn ich sehr viel Glück habe, aus dem Verlangen heraus, ein alberner Schwätzer zu werden, doch der weise Eremit. Das wäre so was wie ein Beispiel sich selbst erfüllender Prophezeiung.

FvS:
Herr AS, ihr eingehendes Spielen mit dem Honig seit einer halben Stunde lässt vielleicht darauf schliessen, dass Sie sich eventuell doch für eine Zeit lang auf irgendwas konzentrieren können. Wie kommt es laut einer ihrer Freunde zu der Verdachtsdiagnose eines Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätssyndroms?

AS:
Es ist nicht ADHS, was mich zeichnet. Es ist etwas anderes...und zwar...ist es...ich habe ein Buch geschenkt bekommen und habe es leider nicht gelesen...ähm, ich glaube, es ist die Unfähigkeit, sich auf etwas konzentrieren zu können. Tatsache ist, dass ich in diesem Moment gar nicht konzentriert bin, sondern ferngesteuert. Weil ich so erzogen bin, dass man keinerlei Lebensmittel wegwerfen darf. Als Kind hatte ich eine Pergamenthaut und im fünften Lebensjahr war ich so leicht wie ein Dreijähriger, weil ich nie was gegessen habe. Und wenn ich was gegessen habe, dann nur meinen Eltern zuliebe; ich habe es hinterher wieder erbrochen. Wenn ich Lebensmittel Zuhause nicht gegessen habe, ist meine Mutter mir mit diesem Lebensmitteln hinterhergerannt. Auch zu Freunden und hat bei denen geklingelt und mich genötigt, die Sachen zu essen. Deswegen schmeisse ich nie Lebensmittel weg. Wenn ich mit Freunden essen gehe, multipliziert sich das Ganze. Das bedeutet, dass ich nicht nur mein eigenes Essen aufesse, sondern auch deren Essen aufesse, falls sie ihr Essen nicht aufessen, was dazu geführt hat, dass ich in kurzer Zeit über mein Idealgewicht hinausgeschossen bin. Jetzt zurück zur ADHS- Diagnose...ich glaube, ähm, „notorisch zerstreut“ trifft es besser als ein ADS im klassischen Sinne.

FvS:
Also notorisch zerstreut, kein ADS. Aha.
Geschlossene Frage, bitte mit einem Satz beantworten. Herr AS, sind Sie ein echter Kenner Ihrer Selbst?

AS:
Auf gar keinen Fall, ich bin wie ein Marathonläufer. Ein Marathonläufer, der beste unbezahlte Schauspieler der Welt, auf der Flucht vor sich selbst...

FvS:
Sie denken also über sich, dass Sie ein verkanntes Genie sind oder verstehe ich das falsch? Halten Sie Ihr Gegenüber generell für einfältig?

AS:
Nein, warum, Denken ist nichts, was ich im Bereich meiner Stärken einordnen würde. Und nein, seien Sie sich sicher, Fr. Dr. Z., dass Sie über jeden Zweifel erhaben sind, selbst wenn Sie Sex mit einem Geldautomaten hätten, ich würde darüber nicht urteilen. Ob jetzt Freund oder Feind, es sollte sich eigentlich andersherum verhalten. So, dass ich das respektieren sollte, wenn irgendeiner meiner Freunde für irgendjemand etwas empfindet und ich das Ganze dann als Tabu betrachten sollte. Deswegen bevorzuge ich diese platonische Ebene.

FvS:
Herzlichen Dank, Sie bringen mich da grad auf die Idee, einen zukunftsträchtigen Geldautomaten zu bauen, mit dem auch Frauen Sex haben könnten und nicht nur anscheinend Männer.

Herr AS. Jetzt wieder zum banalpsychologischen Teil; sagen Sie bitte 5 weitere Begriffe, die abstarkt oder konkret sein können für das AUTO:

AS:
Kutsche, Schleuder, Kiste, japanische Reisrakete, Heizölferrari.

FvS:
Danke, ich hätte jetzt gerne 5 abstrakte Begriffe für das Wort AUTO.

AS:
Sex, Macht, Geld, Statussymbol, Freiheit

FvS:
Danke. Und jetzt 5 Begriffe, mit dem Sie SEX assoziieren.

AS:
Eine grüne Wiese, Geborgenheit, Wärme, Zeitlosigkeit, Verschmelzung.

FvS:
Danke schön. Bitte jetzt 5 abstrakte Begriffe, mit denen Sie ZEITLOSIGKEIT assoziieren.

AS:
Ausgeglichenheit, Ausgewogenheit, Einssein mit dem Universum, Stillstand, sphärisches Schweben.

FvS:
Bitte nun 5 Begriffe in Assoziation mit STILLSTAND.

AS:
Ruhe, Verharrung, Erstarren, Gefriergetrocknetsein - also eingefroren sein ohne Kälte zu empfinden-
kosmisches Gleichgewicht.

FvS:
Danke schön, ich hätte jetzt gerne 5 weitere Assoziationen für UNIVERSUM.

AS:
Seifenblase........Gestirne....... Kosmos,...Gefüge, Welt.

FvS:
Und nun für GEFÜGE.

AS:
Konstellation, geordnetes System, Ordnung........................ gottgeschaffene Fügung, Mobilé

FvS:
Und fünf für MACHT

AS:
Verantwortung, Herrscher, Monarch, Diktator, Tyrann, Despot

FvS:
Fünf für PROVOKATION

AS:
Morgens aufstehen, Rituale, Wahrheit, Ausbruch...... Erwachen

FvS:
BLUTIGE DAMENBINDE:

AS:
.....Vampir-trinkt-Tee, ähm, ......Abschluss einer unschuldigen Phase, totale Konfusion, ähm, ....Männer werden sich bewusst, dass es Aspekte an Frauen gibt, die .....ihnen kompliziert erscheinen; Trennung zwischen Mann und Frau; biologische Aufgabe, nicht erfüllt und durch moderne Technologie gebannt.

FvS:
Bitte nur Begriffe, keine ganzen Sätze.

AS:
Aja...mmh, ähh...

FvS:
Na gut, dann 5 Assoziationen für ZYKLUS:

AS:
Wellen........ Dynastien................. Generationswechsel........... Verschwendung, Auf-und Ab

FvS:
Herzlichen Dank, Nun 5 weitere für das Wort RAUPE.

AS:
Metamorphose, Vollfressen, Kokoniserung, allmählich kriechend, amorphes Äußere, Erfüllen einer Bestimmung..................Verpuppung.

FvS:
Und AUTOBAHN

AS:
highway, straight, trotzdem von der Polizei erwischt werden, Freiheit, speed, ..... Westen

FvS:
Fünf Assoziationen für MÖNCH

AS:
Haxen, Hände, Dirdl, Brüste, Pelz.

FvS:
Nein, für Mönch, nicht München, aber danke. Nun 5 weitere Begriffe für ZEIT.

AS:
Verantwortung, Verpflichtung, Pflichtbewusstsein, Versklavung, Kette, Folgsamkeit

FvS:
PANAMA

AS:
Tiger, Bär, Bananen, Holzkiste, .......Fluss, ........Fuchsgeburtstagsfeier.

FvS:
KIRSCHEN

AS:
Arsch, Pferdebiss, prall, fetisch, Latex, .........Sommer

FvS:
BERLIN

AS
Traurigkeit, spätpubertärer Surrealismus, Mauerkonfrontation, Ostalgie, Mittelstandsdefizit, Politikverdrossenheit, Insel

FvS:
MÜLLEIMER

AS:
Oscar, Juke-in-the-Box, Neonlicht, Brooklyn, Metall

FvS:
MACHT

AS:
Zepter, Phallus, Krone, Tyrannei, halbes Königreich, Prinzessin

FvS:
INGENIEUR

AS:
Signal und Technik, Verfahrenstechnik, Metall, Luft- und Raumfahrt, Fachidiot

FvS:
Sollen wir mal?

AS:
Ja, aber lass uns das fortsetzen. Das tut mir ganz gut.




Anm.: Das AS ist mit der Veröffentlichung des Interviews auf diesem blog einverstanden und es würden ihn Kommentare freuen.

Freitag, 27. Juni 2008

Die Löwen und die Schützlinge

Ich stehe mitten im "Tanzsaal Nr. 2". Sechs komatöse, beatmete Patienten liegen hier. Drei an jeder Wandseite. Der Nachtdienst hat gerade begonnen. Sechs Feten, verschlaucht von Kopf bis Fuß. "Wer wirklich gesund werden will, zwinkert bitte einmal mit dem rechten Auge", fordere ich sie auf. Keine Regung. "Und jetzt bitte die, die weiterhin krank und abhängig bleiben wollen. Die zwinkern bitte einmal mit dem linken Auge". Wieder keine Regung. Ich hoffe, die Schwestern haben mich nicht gehört. "Na gut. Dann machen wir hier weiter so, wie es medizinisch notwendig erscheint in der Hoffnung, dass das alles Eurem wahren Willen entspricht". Was für ein Selbstbeschiss, funktioniert jedoch fast immer, um durchzuhalten. Ich stehe da mit meiner to-do-Liste und bin versunken in die Planung meines strategischen Zeitmanagements für die nächsten dreizehn Stunden. Julia, die junge Krankenschwester möchte irgendetwas von mir, ich folge ihr in den "Tanzsaal Nr.1". Da sind auch sechs Menschen, die ihre Funktionen von Maschinen regeln lassen müssen. Eines davon ist ein sechsjähriger Junge, dessen Vitalparameter sich wohl verschlechtert hätten. Ich trete hinter Julia in den Tanzsaal hinein. Was ist denn hier los? Die Betten sind leer. Ich schaue Julia an, die dem Bett des Jungen naht. Seltsam dunkel ist es zur Saaldecke hin. Sechs Schnüre hängen von der Decke herab, je eins über jedem Bett. Julia steht vor dem Bett des Kindes. Sie sagt, er hätte einen zu beschleunigten Herzschlag und der Hirndruck würde ansteigen. Ich sehe weder das Kind, noch einen Monitor, noch eine Beatmungsmaschine. Nur die Schnur, die über dem Bett hängt. Julia zieht an der Schnur. Ich schaue nach oben, wo auf einmal Licht ist. Das Kind hängt an der Schnur an der Decke. Die Arme, die Beine und der Kopf hängen bodenwärts. Er ist intubiert, die Maschinen kann ich nicht sehen, aber Julia weiss wohl, wo sie sind. Sie zieht noch mal an der Schnur und das Kind macht die Augen auf. Sie fragt ihn, was los ist. Der Junge hat einen kalten Blick, er scheint nicht zu fixieren. Seine Haut schimmert als graublauer Marmor. Er kann sprechen, obwohl der Beatmungsschlauch seine Stimmbänder trennt. Er sagt uns, dass die Drainage, die das vom Hirn nicht resorbierte Hirnwasser nach außen ableitet, nicht mehr im Hirnventrikel liegt, sondern abgerutscht sei. In fünf Minuten werde sein Herz aufhören zu schlagen, da durch den Hirndruck das Atem-Kreislauf-Zentrum im basalen Hirn nicht mehr funktionieren würde. Uns bleibt wenig Zeit. Ich besorge den Handbohrer aus dem Operationssaal. Wir ziehen einen Aktenschrank unter das hängende Kind und stellen uns auf diesen Schrank. Die Pupillen des Jungen sind mittelweit und entrundet, er ist komatös...es pressiert. Julia muss den Kopf des Jungen festhalten. Ich bohre ein Loch auf der linken oberen Seite des Schädels, drehe einen kleinen Sockel hinein und versenke eine Duisburger Schraube in den linken Seitenventrikel. Noch ein Ableitsystem und dann ist alles wieder in Ordnung. Das überschüssige Hirnwasser kann in einen Beutel ablaufen. Die andere Drainage ziehe ich heraus. Der Junge klart auf und lächelt ...in die Leere. Julia zieht wieder an der Schnur, er macht die Augen zu und das Licht um ihn geht aus.
"Wo sind Deine Kollegen", frage ich Julia. Eigentlich gibt es sechs Leute in einer Schicht. Sie antwortet, dass ihre Kollegen auf der Jagd seien. "Was denn für eine Jagd", frage ich erschrocken. "Es ist ein Löwenrudel aufgetaucht. Sie wollen unsere Patienten holen. Eine Löwin ist schwanger, sie braucht viele Kalorien. Die anderen sind losgezogen, um das Rudel aufzuhalten, bevor sie die Klinik erreichen.". "Warum denn gerade unsere Schützlinge??", bringe ich gerade noch hervor? "Weil sie wehrlos sind", flüstert Julia traurig. Ein grausames Raunen tönt vom Treppenhaus hoch. Wir erstarren. Unsere Jungs und Mädels haben es nicht geschafft, die wilden Tiere kommen. Die Patienten an der Decke des Tanzsaals Nr. 1 sind in Sicherheit. wir versuchen voller Panik diejenigen, die im Tanzsaal Nr. 2 liegen, auf die hohen Fensterbänke zu retten.
Vier Patienten haben wir auf die Fensterbank hieven können. Die letzten beiden schaffen wir nicht mehr. Es ist ein 17-jähriger Jugendlicher mit einem Locked-in- Syndrom, da er eine schweren Unfall erlitten hat, wobei der erste Halswirbelkörper ins Hirn katapultiert wurde. Der Zweite ein vierzigjähriger Mann, ebenfalls mit schwerem Schädel-Hirn- Trauma, der nie von irgendjemandem besucht wurde. Es ist zu spät...ein riesiger Löwe mit blutverschmiertem Maul steht am Eingang. Er ist dem Siebzehnjährigen am nächsten. Versteinert müssen wir zusehen, wie er mit einem einzigen Biss den Brustkorb des Jungen zerreisst. Das Herz hat er nicht erwischt, aber der linke Lungenflügel ist zerfetzt. Aus den großen Gefäßen fliesst das Blut. Bald ist alles rot, tiefrot. Der Patient wacht in diesem Moment auf, das ist eigentlich unmöglich. Er streckt seinen linken Arm zum Kopf des Löwen, der auf den Boden gebeugt die Lunge verspeist. ER STREICHELT DIE MÄHNE DER BESTIE. Er weint dabei, er wirkt dankbar. Für Sekunden bin ich abgelenkt. Was machen Löwen hier? Was machen wilde Tiere hier, deren Lebensfunktion auf natürlicher Selektion gründet? WAS MACHEN SIE HIER?. Hier ist doch nichts natürlich.
Drei weitere Löwen sind angekommen. Die schwangere Löwin gleitet fast lautlos zum anderen Mann. Das Grauen nimmt kein Ende. Sie reisst ihm das rechte Bein aus. Die anderen beiden versuchen auf die Fensterbank zu springen. Ich merke, dass meine Beine herunterhängen, aber die Löwen nehmen keine Notiz davon. Sie scheinen nur an den Patienten interessiert zu sein. Julia und ich machen einen Plan. Der Unterschenkel des älteren Patienten liegt auf dem Boden, der Oberschenkel im Maul der Löwin. Julia greift sich den Unterschenkel und versucht die Löwen aus dem Tanzsaal Nr. 2 zu locken. Sie ist ein mutiger Mensch. Währenddessen soll ich Spritzen mit lebenserhaltenden Medikamenten aufziehen und damit die Ohren und Augen der Löwen anspritzen, damit sie nicht mehr sehen und riechen können, wo ihre Beute ist. Seltsamer Plan, aber wir haben anscheinend keine andere Wahl. Julia hat Erfolg, die Löwen folgen ihr. Adrenalin, Cordarex, Mannitol, Dobutamin....alles fertig. Julia lässt den Unterschenkel fallen und kommt zurück auf die Fensterbank. Von hier aus haben wir gute Schussmöglichkeit. Die letzten beiden Spritzer treffen die Augen und Ohren der trächtigen Löwin. Alle anderen sind schachmatt gesetzt. Sie benehmen sich wie Schosskätzchen. Der Sicherheitsdienst ist endlich da. Und die Kollegen von Julia. Unversehrt sind sie nicht. Allen fehlt irgendetwas, eine Hand, halber Kopf, kein Schritt...Wir verbinden alle und holen die Patienten von der Fensterbank zurück in ihre Betten. Die Nachtschicht geht ohne weitere Zwischenfälle weiter.